Kleines Mädchen im Krieg

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Kleines Mädchen im Krieg

Eine Hombrucherin Jahrgang 1939 erinnert sich.

Wenn Voralarm kam, packte die Mutter sie in den Sportwagen (dagegen gab es keine Widerrede, denn mit ihren kleinen Beinchen lief sie nicht schnell genug), schnappte sich eine schwarze Tasche, und dann wurde gerannt. Der Bunker in der Hombrucher Straße war heiß und stickig und voller Menschen auf den eng stehenden Bänken. Wenn Hauptalarm kam, reichte die Zeit nicht, dann ging es ab in den Keller, wo der Vater zwei Betten für den Notfall aufgestellt hatte . Zum Nachbarhaus gab es für alle Fälle noch einen Durchgang, aber auch der war wie der Keller nachher voll Wasser, so dass zum Schutz nur noch das Treppenhaus übrig blieb. Die Familie musste keinen Hunger leiden, sie hatte ein eigenes Grundstück, Kaninchen und ein Schwein, das in der Küche der Großeltern heimlich geschlachtet wurde. Da das alles aber nachher weg war, ging die Mutter auch hamstern. Dafür hatte sie sich extra einen Rock mit großen Taschen innen genäht, in denen sie Speck und Kartoffeln transportieren konnte. Der Vater war Bergmann, ging morgens um drei Uhr aus dem Haus, um rechtzeitig „auf Zeche“ zu sein, später wurde auch er noch eingezogen und kam nach Kriegsende in Gefangenschaft. Und eines Tages war er wieder da – abgemagert und in Filzpantoffeln. Auch der Bruder überlebte den Krieg, hatte einen Schuss in den Unterschenkel bekommen, wurde 46/47 über Holland entlassen und spielte später sogar Fußball. Als die Amerikaner in Hombruch einmarschierten am 13. April 1945, bekam das kleine Mädchen von einem schwarzen Soldaten ein Stück Schokolade. Sie wagte nicht es zu essen, weil sie dieses braune Ding nicht kannte…

Interview B. Leyh mit Hombrucherin (Jg. 1939