Friedrich Harkort

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Was hat der Harkortshof mit Friedrich Harkort zu tun?

Das Leben und Wirken des Industriepioniers und Sozialreformers Friedrich Wilhelm Harkort

Zusammengestellt von Tilo Cramm

Diese Informationstafel vor dem TONwerk Harkortshof erinnert an die reiche Geschichte dieses Ortes. Sie ist mit dem „Vater des Ruhrgebiets“ Friedrich Harkort eng verbunden. Der Industriepionier und Vorkämpfer liberal-sozialer Politik wirkte und lebte bis zu seinem Tod 1880 mehrere Jahrzehnte in Hombruch. Die Geburtsstunde der Besiedlung des Domänenwaldes im Hohen Bruch brach an, als 1827 Friedrich Harkort ein Drittel des Hombruchs erwarb, um sich hier an der geplanten Eisenbahn und in Bergbaunähe industriell anzusiedeln. Seine 1834 verwirklichte Harkorter Eisenhütte am Rüpingsbach wurde zur Initialzündung der Dortmunder Eisenindustrie. Der heutige Ortsteil Hombruch strebte auf, wurde aber 2017 anders als die uralten Dörfer der Umgebung erst 190 Jahre alt.

Woher kommt Friedrich Harkort? Seine Vorfahren saßen seit Jahrhunderten auf Haus Harkorten in Westerbauer bei Hagen. Die Familie war von der Landwirtschaft, dem Frischen (Reinigen) von Roheisen in Hammerwerken an der Ennepe und dem Herstellen von Sensen und anderen Werkzeugen, insbesondere jedoch durch weitgespannten Handel mit Eisen- und Stahlwaren wohlhabend geworden. Der Familienchef trug auch den Titel Reidemeister (Radmeister), der von antreibenden Wasserrädern der Hammerwerke herrührt. Die Harkorts bezogen aus dem nahen Sauer- und Siegerland weiches Osemund-Roheisen zur Weiterverarbeitung. Dort lag mit vielen Eisenerzgruben, Schmelzhütten und Hammerwerken das „alte Ruhrgebiet“.

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Abb. 1: Das 1756/1757 erneuerte ehemalige Herrenhaus im bergischen Rokokostil, mit Fachwerk auf Bruchsteinsockel, Walmdach, verschiefert (Mitte), rechts das Haus, in dem 1793 Friedrich Harkort geboren wurde, links das sog. Jungfernhaus (Tilo Cramm)

Die renovierten Nebengebäude des ehemaligen Herrenhauses sind heute privatisiert. Die Stadt Hagen übertrug das im leichten Verfall begriffene, denkmalgeschützte Herrenhaus mit verwildertem Park dem gemeinnützigen Verein zur Förderung des Erhalts und der Entwicklung von Haus Harkorten e.V., der sich für diesen Zweck um Spenden bemüht. Im Erdgeschoss soll ein kultureller Mittelpunkt mit Museum, oben werden Erwerbsräume oder Wohnungen entstehen.

Nun zur Hauptperson:

Friedrich Wilhelm Harkort wurde am 22. Februar 1793 als sechstes Kind (von neun, von denen sieben überlebten) in einem Nebenhaus des Herrenhauses geboren. Die Eltern waren Johann Caspar Harkort IV (1753-1818) und Henriette, geb. Elbers (1761-1837). Die Elbers waren wohlhabende Hagener Textilfabrikanten. Nach der Grundschule im nahen Quambusch besuchte er von 1805 bis 1808 die Gewerbeschule in Hagen (Mathematik, vier Sprachen, Fechten). Dann folgte eine etwa fünfjährige kaufmännische Lehre in der Wuppertaler Textilfirma Wuppermann & Mohl. Hier interessierte er sich mehr für technische als für kaufmännische Fragen, was in mehrere Betriebsverbesserungs-Vorschläge mündete. Von 1813 bis 1815 nahm er freiwillig an den Freiheitskriegen gegen Napoleon teil. Er wurde schwer verwundet, mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet und erhielt 1829 das Hauptmannspatent im Landsturm, dem er bis 1833 angehörte.

1818 bekam nach dem Tod des Vaters der erstgeborene Bruder Johann Caspar V. das väterliche Gut. Friedrich musste sich nach dem Abschied aus dem aktiven Militär ein eigenes berufliches Tätigkeitsfeld suchen. Im selben Jahr heiratete er die einzige Tochter seines früheren Lehrherrn Mohl, Auguste Louise. Das Paar bekam bis 1832 sechs Kinder, die in der Nähe von Haus Harkorten und in Wetter zur Welt kamen. Beide Söhne folgten später dem Beruf des Vaters:

Auguste 1819-1899 verh. mit Architekt Georg Funk (1800-1849) Mathilde Louise 1820-1893 verh. mit Pastor Eduard von Scheven, Rügen Friedrich Wilhelm 1822-1897 Maschinenfabrikant Johanna Rosamunde 1828-1908 verh. mit Oberst Gustav Maentell Luise Emilie 1831-1907,1865 verh. mit Industriellem Louis Berger Carl 1832-1894 Fabrikant von Werkzeugen

Nach industriellen Anläufen bis 1818 mit einer Gerberei bei Haus Harkorten und einem Kupferhammer im Deilbachtal bei Kupferdreh übertrug er beides Verwandten und wandte sich dem Maschinenbau zu. Als Fabrikstandort nahm er die leerstehende Burg in der Freiheit Wetter ins Visier, weil 1815 das Märkische Bergamt Wetter nach Bochum und das Oberbergamt Wetter nach Dortmund verlegt worden waren. Noch vor Baubeginn seiner Fabrik unternahm Harkort im Juni 1819 eine „Studienreise“ nach England zum damaligen Mekka des industriellen Fortschritts. Er kaufte dort zwei Dampfmaschinen, einige Werkzeugmaschinen zur Bearbeitung von Gusseisen und warb englische Fachleute für den Dampfmaschinenbau an; vorher hatte er sich bereits bei Düsseldorf ansässige englische Fachleute gesichert.

Zum Jahressende 1819 erwarb er zusammen mit dem Elberfelder Kaufmann und Geldgeber Heinrich Daniel Kamp die Burg in der Freiheit Wetter für 2 010 Taler. Sie gründeten dort die „Mechanischen Werkstätte Harkort & Co“, die damit eine der ersten Maschinenfabriken in Deutschland vor allem zum Bau von Dampfmaschinen und Pumpen für den Bergbau wurde. Soweit bekannt, lieferte Harkort 1822 die erste Dampfmaschine zur Silscheder Zeche Trappe. Er hatte 1825 mit dem Bau eines eisenummantelten Hochofens begonnen, der 1827 mit Eisenerz und Holzkohlen in Betrieb ging.

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Abb. 2: Harkortsche Werkstätten in der Freiheit (Burg) Wetter mit Hochofen links

Das vom Harkortschen Hochofen erzeugte Roheisen oder die von anderen Hütten bezogenen Roheisenmasseln mussten noch gefrischt - also gereinigt – werden. Mit steigender Roheisenerzeugung in der Region reichten die vorhandenen Frischfeuer und wasserangetriebenen Hammerwerke zur Umwandlung des Roheisens in schmiedbares Eisen jedoch nicht mehr aus. Die zur Erwärmung des Roheisens benötigten Holzkohlen von den Meilern des Ardeygebirges und des Sauerlandes wurden wegen der zunehmenden Waldabholzung immer teurer.

Die Steinkohle löste das Problem. Während die spätere Umstellung der Hochöfen von Holzkohle auf Steinkohle bzw. Koks relativ problemlos verlief, war dies beim nachfolgenden Frischprozess mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Das auf dem Frischherd erhitzte Roheisen nahm den in der Steinkohle stets enthaltenen Schwefel auf. Das Endprodukt Gusseisen wurde dadurch rotbrüchig (bei der Bearbeitung des glühenden Roheisens bildeten sich Risse

Die Lösung brachte ein neuer Frischofen – der Puddelofen, auch Flammofen genannt. Ihn hatte 1784 der Engländer Henry Cort erfunden. Mit dem Puddelverfahren (to puddle = rühren) wurde Schmiedeeisen besserer Güte erzeugt, als bisher. Worauf beruhte das? Im Puddelofen waren nun Brennmaterial und Roheisen voneinander getrennt. Die Flammen und Rauchgase wurden vom Feuerrost mit dem Ofenzug über die im gesonderten Herd liegenden Roheisenmasseln geleitet und die Rauchgase über die Esse abgeführt. Die sich über dem geschmolzenen Roheisen bildende Schlackendecke brach der Puddler mit einer eisernen Stange auf und rührte den Eisenteig, sodass der Sauerstoff des Ofenzuges unerwünschte Kohlen- und Eisenbegleiter, wie Schwefel, Silizium und Phosphor verbrennen konnte.

Als Erster hatte Remy auf seiner Hütte bei Neuwied das Puddeln in Deutschland eingeführt. Da die Vorteile des Puddelns offen lagen, rief Harkort bereits 1824 - allerdings erfolglos - zur Bildung einer Entwicklungsgesellschaft für Puddelöfen auf. Er hatte bereits 1825 in der Freiheit Wetter mit dem Bau von zwei Puddelöfen begonnen, die 1827 gemeinsam mit dem Hochofen in Betrieb gingen. Sie waren die ersten Puddelöfen im Ruhrgebiet.

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Abb. 3: Ein Puddler zängt eine ca. 50 kg schwere Luppe aus dem Ofen und legt sie in eine Karre. (Krupp-Archiv, Essen)

Das körperlich äußerst anstrengende Puddeln erbrachte je Arbeitsgang zwar nur verhältnismäßig geringe Mengen, stieg aber zu großer Bedeutung auf. Über hundert Jahre erzeugten tausende Flammöfen einen Puddelstahl von hoher Korrosionsfestigkeit. Er steckt beispielsweise im Eiffelturm, in der Freiheitsstatue von New York und in der früheren englischen Kriegsflotte.

Der wachsende Stahlbedarf zwang dann allerdings auch Deutschland nach 1860 zur Einführung leistungsfähigerer Frischverfahren, wie das von Bessemer und Thomas (Thomasbirne auf Insel im Phoenix-See).

Harkort reiste 1826 zur Vervollständigung seiner Kenntnisse im Dampfkesselbau mit seinem Freund Caspar Wilhelm Moll erneut nach England. Hierzeigt sich schon sein Bestreben, nicht nur seine Hütte voranzubringen, sondern auch andere an den Neuerungen teilhaben zu lassen. Ohne Rücksicht auf seine eigenen Geschäfte und den notwendigen wirtschaftlichen Erfolg gab er seine Kenntnisse und Erfahrungen zum Puddelofen und zu besseren englischen Walzmethoden an Konkurrenten mit neuen Kesselschmieden, wie Moll, mit folgender Äußerung weiter: Mich hat die Natur zum Anregen geschaffen, nicht zum Ausbeuten - das muss ich anderen überlassen. Seine Selbstlosigkeit war gepaart mit seinem ständigen Bestreben, Optimierungen nicht nur in seiner Mechanischen Werkstätte durchzusetzen, sondern er veröffentlichte auch Vorschläge zur dringend notwendigen Verbesserung der Verkehrswege zum Transport vor allem von Industriegütern.

Hier sind Harkorts vorerst meist vergebliche Aufrufe zum Eisenbahn-, Straßen-und Kanalbau zu nennen. So schlug er 1825 - weit vor List - eine Dampfeisenbahn von Minden nach Köln vor und wiederholte das acht Jahre später. Erst 1835 kam dann Deutschlands erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth zustande.

Harkort beließ es nicht bei Appellen, sondern führte eigene, kostenträchtige Versuche, z. B. 1826 mit der von Pferden gezogenen Palmerschen Hängebahn in Wetter und Elberfeld durch - Vorläuferin der Wuppertaler Schwebebahn. Er engagierte sich bei der 1831 eröffneten Deiltaler Eisenbahn (Prinz-WilhelmEisenbahn und ersten Eisenbahn-Aktiengesellschaft Deutschlands) und der 1828 in Betrieb genommenen Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn von Silschede zur Fabrik bei Haus Harkorten und später bis zur Hütte in Haspe. Beide Bahnen arbeiteten anfangs noch mit Pferden, die Wagen liefen auf eisenblechbeschlagenen Holzschienen. 1840 schlug Harkort das Emskanalprojekt vor und 1859 hatte er den Vorsitz im Kanalbauverein, der Rhein und Elbe miteinander verbinden sollte.


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Abb. 4: Lage der der Freiheit Wetter, des Hauses Schede (oben) und des Hauses Harkorten (unten). (metropoleruhr, ergänzt von Tilo Cramm)


So war Friedrich Harkort ein bedeutender Visionär und Anreger. In seiner eigenen Fabrik ging es jedoch wirtschaftlich bergab. Er war von den technischen Kenntnissen und vom Willen der angeworbenen Engländer abhängig, vor allem aber mangelte es ihm an Gewinnstreben. Die Folgen waren hohe Schulden bei seinem Kompagnon Kamp, die ihn bis 1864 belasteten. Die Konsequenzen waren sein endgültiger Rückzug aus seiner Fabrik in Wetter am 1. Januar 1834 und der Neubeginn im Hombruch.

Bereits am 12. November 1827 hatte Harkort ein Drittel des staatlichen Domänenwaldes Hombruch mit Darlehen seiner Brüder privat ersteigert. Er hatte wohl die Hoffnung, die Mechanische Werkstätte von Wetter an die hier im Tal des Rüpingsbachs bald erwartete Eisenbahn verlegen zu können. Der 1828 mit der preußischen Domänenkammer abgeschlossene Vertrag legte als Verkaufspreis 4 665 Reichsthaler und einen jährlichen Grundzins fest. 1834 erwarb Friedrich Harkort die benachbarte, zur Gemeinde Eichlinghofen gehörende, vom Rüpingsbach über ein Wasserrad angetriebene Ölmühle, die zuletzt eine Papiermühle gewesen war. Diese betrieb er anfangs als Sägemühle, um den ersteigerten Wald zu nutzen. Harkort ließ sie noch vor der endgültigen bergbehördlichen Genehmigung von 1835 in die „Harkorter Eisenhütte“ umbauen.


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Abb. 5: Der Domänenwald im Hombruch im Urkataster 1827. Die geplante Eisenbahn und erste, später errichtete Häuser sind bereits eingezeichnet. (Stadtarchiv Dortmund)

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Abb. 6: Das ersteigerte Harkortsche Grundstück (Stadtarchiv Dortmund, Zeichnung Tilo Cramm)

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Abb. 7: Lage der Harkortschen Eisengießerei. (Riss von 1854, ergänzt vom Autor. Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA))

Er hatte das Ziel, hier wie in Wetter Eisenerz zu schmelzen, die für den Coaksofen (Koksofen) benötigten Kohlen im nahen „Hüttenflöz“ selbst zu gewinnen, Koks zu brennen und im Hochofen Koks einzusetzen, das Roheisen im Puddelofen zu Puddeleisen umzuwandeln und dieses vor allem zu Blechen zu walzen.

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Abb. 8: Eine am 3.12.1834 amtlich bestätigte, im Dortmunder Westfälischen Wirtschaftsarchiv aufbewahrte Versicherungsakte mit Aufführung des Puddlingsofens führt den gesamten Versicherungswert der „Hütte“ mit 10 032 Thalern auf.

Die Versicherungsakte belegt das Vorhandensein der erforderlichen Anlagen wie folgt: Hüttengebäude (ehem. Papier/Ölmühle), Wohnhaus, neues Hammergebäude, Maschinenhaus mit Dampfmaschine – eine zweite im Bau -, Schmiede, Hüttenteich, Obergraben, Wasserrad mit 2,2 m Gefälle, Garten, Hof und Wiese mit zusammen rd. 3 Morgen = 0,8 Hektar Größe.

Roheisen hat Harkort nur von auswärts bezogen, in Kupolöfen (Glühöfen) aufgewärmt, im Puddelofen gefrischt, dann im Hammerwerk, das mit Wasserkraft angetrieben wurde, zugerichtet und auf einer Blechwalze umgeformt. Eine Dampfmaschine trieb ein Gebläse zur Temperaturerhöhung des Roheisens an. Zu den Kohleöfen gehörten zwei 16 m hohe Schornsteine. Weitere technische Einrichtungen waren ein Coaksofen, ein Coaksschuppen und eine Satzwäsche zur Trennung der Kohlen von Gesteinsbrocken. Unklar ist jedoch, ob Harkort aus dem sogenannten „Hüttenstollen“ überhaupt Kohlen förderte und ob der Koksofen überhaupt betrieben wurde. Der behördlich genehmigte Hochofen wurde nicht mehr realisiert. In Wetter hatte Harkort Dampfmaschinen für den Bergbau gebaut, die für Vertikalbetrieb in Schächten (Gestängepumpen und Fördermaschinen) eingerichtet waren. In England gab es bereits auf Rotation ausgelegte Dampfmaschinen. Mit diesem Prinzip wendete er sich in Hombruch nun dem Schiffs-Dampfmaschinenbau zu.


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Abb. 9: Englisches Muster einer auf Rotation gebauten Dampfmaschine


Die erste Bestellung eines Dampfschiffes kam aus Minden. Harkort ließ jedoch in Duisburg unvorsichtigerweise gleich vier Schiffe auf Kiel legen. Pferdewagen brachten die in Hombruch erzeugten Maschinenteile zur Freiheit Wetter, wo sie in einer eigenen Scheune im Hof seines Wohnhauses Burgstraße 26 zu Dampfmaschinen montiert wurden. Mit Ruhrkähnen ab Witten gelangten sie dann zur Werft am Rhein, wo er ihren Einbau in die Schiffe zeitweise persönlich überwachte.

Am Silvestertag 1835 starb seine Frau Auguste mit 39 Jahren in Wetter. Sie wurde Im Familiengrab auf Haus Schede bei Wetter beigesetzt. Das Haus Schede gehört einer Nebenlinie der Harkorts. Am 24.1.1836 startete Harkort mitten im Winter mit dem 38 m langen und mit einer 45-PS-Dampfmaschine ausgerüsteten hölzernen Raddampfer „Friedrich-Wilhelm III.“ von Duisburg nach Minden. Die erstmals mit einem Dampfboot befahrene Route über Rhein, Ijssel, Zuidersee und Wattenmeer sowie die Weser aufwärts bis Minden und außerdem mitten im Winter dauerte fünf Wochen und erregte großes Aufsehen. Harkort überführte im selben Jahr noch als erstes rheinisches Dampfboot die „Rhein“ von Köln nach London, was dort hohe Anerkennung fand.

Wegen nicht eingehaltener Zahlungsverpflichtungen der Kunden, aber vor allem wegen schlechter Werftverträge, in denen allein Harkort das Risiko trug, folgte jedoch 1838 sein Bankrott mit Verlust auch der beiden noch auf Kiel liegenden Schiffe „Verein“ und „Kronprinz“.

Trotz seines kaufmännischen Misserfolgs ist jedoch festzuhalten, dass Harkort von 1834 bis 1837 mit nur einem Puddelofen als Erster im heutigen Dortmund Puddeleisen erzeugt hat. Piepenstocks Hermannshütte in Hörde folgte 1843, Kamps Paulinenhütte 1854, Ruëtz` Rothe Erde 1861 und Hammachers Etablissement als Vorläufer des Baroper Walzwerks erst 1862 .

Harkort hielt in der Folgezeit seine Hombrucher Fabrik mit Hilfe seiner Söhne notdürftig über Wasser. Seine finanzielle Lage wurde aber so prekär, dass er 1847 die Versteigerung des größten Teils seines Hombrucher Grundbesitzes erleben musste. Gisbert von Romberg ersteigerte sein Land großflächig und verkaufte die meisten Parzellen siedlungswilligen Bürgern um ein Vielfaches weiter. Für seine spätere Schachtanlage Giesbert hielt er an der Bahnlinie im Bereich der heutigen Kieferstraße Flächen zurück.


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Abb. 10: Das ersteigerte Harkortsche Grundstück (Stadtarchiv Dortmund, Zeichnung Tilo Cramm)

1849 beantragte Friedrich Wilhelm Harkort junior erfolglos die Umwandlung der Eisen- in eine Zinkhütte, weil sein Vater bei Schwelm das Zinkerz Galmei ausgemacht habe, das sich jedoch als Roteisenstein erwies.

Schon vor 1856 hatte sich Wilhelm Heuner vergeblich um eine Übernahme der Harkortschen Eisenhütte bemüht. Er gründete dann nebenan ein eigenes Unternehmen, die später sehr erfolgreiche Baroper Maschinenfabrik.

1863 bemühte sich die gerade gegründete Hombrucher katholische Kirchengemeinde ebenfalls vergeblich, in einem leer stehenden Gebäude der Harkortschen Fabrik ihre Schule unterzubringen und bis zum Bau einer Kirche hier auch Gottesdienst abzuhalten.

Über die verfallenden Gebäude wird dann später nicht mehr berichtet. So war es heute nicht einfach, die genaue Lage der Harkortschen Eisenhütte zu orten, was mit der Hilfe des Katasters im Stadtarchiv gelang. Nur die beiden in folgender Abbildung stark umrandeten Häuser bestehen noch.


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Abb. 11: Einpassung der Eisenhütte in den Stadtplan auf der Grundlage des Katasterblattes Kirchhörde Flur II. (StadtADO 162/001 Nr. 53, ergänzt von Tilo Cramm


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Abb. 12: Hier Am Spörkel direkt hinter der Rüpingsbachbrücke (vorn) lag links die Harkorter Eisenhütte. Die Emschergenossenschaft fand bei der Renaturierung am Bach schwarze Rückstände, wohl Ofenasche und Schlacke. Rechts im Wäldchen lag der ehemalige Hammerteich, der Wasser des Bachs zum Betrieb des Wasserrades speicherte. (Tilo Cramm)

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Erstellt vom Hombrucher Geschichtsverein durch Herrn Tilo Cramm